Wandern
Wandern in Grönland führt durch arktisches und subarktisches Gelände; die zentrale Fernwanderroute ist der Arctic Circle Trail zwischen Kangerlussuaq und Sisimiut. Die Tour eignet sich für erfahrene Wanderer, die straßenloses Berg- und Fjordland durchqueren und Verpflegung, Schutz sowie Navigation selbst übernehmen können.
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Ilulissat
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von Kalaallit Journeys
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Nuuk
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Diskobucht
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Sisimiut
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Südgrönland
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Ostgrönland
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Wandern unter grönländischen Bedingungen
Wandern in Grönland unterscheidet sich von Touren in Regionen mit einem dichten Netz markierter Wege, bewirtschafteten Hütten und Straßenverbindungen. Das Gelände ist arktisch oder subarktisch. Auf längeren Strecken muss man grundsätzlich mit dem auskommen, was man selbst trägt. Dazu gehören Verpflegung, Schutz für die Übernachtung, geeignete Kleidung und die Ausrüstung zur Navigation.
Die übliche Wandersaison reicht von Juni bis September. Innerhalb dieses Zeitraums sind die Bedingungen jedoch nicht gleichbleibend. Auf einer mehrtägigen Tour können sich Temperatur, Wind und Niederschlag ändern und dadurch Tagesplanung und Tempo beeinflussen. Wir empfehlen deshalb, die Etappen an den tatsächlichen Verhältnissen auszurichten und nicht an einer starren täglichen Strecke.
Wer noch keine Erfahrung mit grönländischem Gelände hat, beginnt zweckmäßig mit einer kürzeren Wanderung von einem Ort aus. Für eine Tagestour ist weniger Gepäck nötig, und man kann Gelände, Kleidung und das eigene Tempo einschätzen, bevor man eine längere Route plant. Auf dem Arctic Circle Trail gehören Planung und Selbstversorgung dagegen von Anfang an zur Wanderung.
Der Arctic Circle Trail zwischen Kangerlussuaq und Sisimiut
Der Arctic Circle Trail ist die Langstreckenroute zwischen Kangerlussuaq und Sisimiut. Kangerlussuaq liegt am östlichen Ende, Sisimiut bildet den westlichen Endpunkt an der Küste. Dazwischen führt die Wanderung durch subarktische Tundra sowie durch Fjord- und Bergland ohne Straßen.
Die Route sollte als eigenständige Fernwanderung verstanden werden, nicht als Folge betreuter Tagesetappen. Ein ausgebautes und laufend bedientes Wegenetz, wie es viele Wanderer aus etablierten europäischen Wanderregionen kennen, gibt es hier nicht in vergleichbarer Form. Man muss selbst navigieren, seine Verpflegung für die gesamte Strecke einteilen und mit der mitgeführten Ausrüstung für Schutz und Unterkunft sorgen können.
Wir betrachten bei der Planung nicht nur die einzelnen Wandertage, sondern die gesamte Reise: die Anreise zum Startpunkt, die vorgesehene Dauer der Wanderung, zusätzliche Zeit für wechselndes Wetter und die Weiterreise vom Ziel. Eine knapp angesetzte Verbindung unmittelbar nach dem erwarteten Ende der Tour ist selten sinnvoll. Wenn das Tempo unterwegs sinkt, sollte der Reiseplan Spielraum bieten, damit niemand wegen einer Anschlussverbindung bei ungünstigen Bedingungen weitergehen muss.
Der Arctic Circle Trail kann in beiden Richtungen begangen werden. Welche Richtung besser passt, hängt vor allem vom gesamten Reiseverlauf und davon ab, wie man die Wanderung beenden möchte. Sisimiut ist das küstennahe Ende, Kangerlussuaq liegt im Landesinneren. Wir halten keine der beiden Richtungen grundsätzlich für besser; die Anforderungen an Vorbereitung und Selbstversorgung bleiben gleich.
Saison, Wetter und Zeitreserve
Mehrtagestouren werden normalerweise in der Wandersaison von Juni bis September geplant. Grönland hat ein arktisches Klima, und auch im Sommer sind nicht jeden Tag gleichbleibende Bedingungen zu erwarten. Auf dem Arctic Circle Trail kann sich das Wetter innerhalb einer Etappe oder über mehrere Tage hinweg verändern.
Das muss sowohl bei der Kleidung als auch im Zeitplan berücksichtigt werden. Eine Planung, die nur bei trockenem und ruhigem Wetter funktioniert, ist zu knapp. Wir empfehlen mehrere Kleidungsschichten, die sich unterwegs anpassen lassen, sowie eine wind- und wasserdichte Außenschicht. Warme Kleidung sollte erreichbar sein, ohne dafür den gesamten Rucksack auspacken zu müssen. Ein trockenes Set für Pausen und das Lager sollte getrennt von der Kleidung aufbewahrt werden, die während des Gehens getragen wird.
Veränderte Wetterverhältnisse wirken sich auch auf die Orientierung aus. Gelände, das bei klarer Sicht übersichtlich erscheint, kann bei schlechterer Sicht deutlich mehr Aufmerksamkeit verlangen. Die Navigation sollte deshalb nicht davon abhängen, dass jederzeit ein weit entferntes Geländemerkmal sichtbar ist oder andere Wanderer vorausgehen.
Wir raten außerdem zu einer zeitlichen Reserve. Sie kann für eine kürzere Etappe, einen späteren Aufbruch oder einen Pausentag genutzt werden, wenn ein Weitergehen nicht zweckmäßig ist. Ein Reservetag ist auf einer selbstversorgten Route keine verlorene Zeit, sondern ein fester Bestandteil der Planung.
Selbstversorgung auf einer mehrtägigen Wanderung
Auf dem Arctic Circle Trail trägt man Verpflegung, Schutz für die Übernachtung und Navigationsausrüstung selbst. Das stellt andere Anforderungen als eine Tagestour, bei der man am Abend zur gleichen Unterkunft zurückkehrt. Das Gepäck muss für die gesamte Wanderung ausreichen und zugleich so zusammengestellt sein, dass es sich über mehrere Tage in unebenem Gelände tragen lässt.
Wir empfehlen, Rucksack und Ausrüstung bereits vor der Reise praktisch zu erproben. Es reicht nicht, dass alles in den Rucksack passt. Das Gesamtgewicht muss auch Tag für Tag tragbar sein. Wanderschuhe sollten eingelaufen sein. Regenkleidung, Zelt oder ein anderer Wetterschutz sowie die Kochausrüstung sollten vor der Abreise unter realistischen Bedingungen getestet werden.
Die Verpflegung wird am besten für die gesamte Route geplant und um eine Reserve ergänzt. Mahlzeiten müssen sich mit der mitgeführten Ausrüstung und dem vorgesehenen Brennstoff zubereiten lassen. Wir empfehlen eine einfache, vorab überprüfte Einteilung statt einer groben Schätzung beim Packen. Wer seinen täglichen Bedarf kennt und weiß, welche Mengen für die einzelnen Abschnitte vorgesehen sind, kann Vorräte unterwegs verlässlicher einteilen.
Selbstversorgung bedeutet außerdem, kleinere Probleme bewältigen zu können, ohne deshalb die gesamte Tour ändern zu müssen. Ein einfaches Reparaturset für die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände, Erste-Hilfe-Ausrüstung und ein zusätzlicher Schutz trockener Kleidung und Schlafausrüstung vor Nässe gehören in den Rucksack. Entscheidend ist nicht, Material für jede denkbare Situation mitzunehmen. Wichtiger ist, die eigene Ausrüstung zu kennen und sicher damit umgehen zu können.
Navigation und flexible Etappenplanung
Navigation ist auf einer Route durch straßenloses Gelände eine grundlegende Fähigkeit. Wir empfehlen, mehr als eine Möglichkeit zur Orientierung mitzunehmen. Ein digitales Gerät kann praktisch sein, sollte aber nicht die einzige Grundlage bilden. Ein leerer Akku, Feuchtigkeit oder eine Beschädigung dürfen nicht dazu führen, dass keine Navigation mehr möglich ist. Karte und Kompass eignen sich als eigenständige Lösung oder als Reserve, sofern man sie tatsächlich bedienen kann.
Die Route sollte in realistische Tagesabschnitte gegliedert werden, ohne jeden Abend an einen unveränderlichen Zielpunkt zu binden. Gelände und Wetter können ein anderes Tempo vorgeben als erwartet. Sinnvoller sind Optionen für kürzere Etappen als ein Plan, bei dem jeder Tag von einer hohen Durchschnittsgeschwindigkeit abhängt.
Vor dem Aufbruch sollte eine Kontaktperson die grobe Route, die gewählte Richtung und den erwarteten Zeitpunkt der Ankunft kennen. Ebenso sollte abgesprochen sein, ab wann diese Person reagiert, falls sich die Wanderung verzögert. Eine solche Vereinbarung ersetzt die eigene Vorbereitung nicht, schafft aber einen klaren Rahmen für den Verlauf der Tour.
Ob man eine Etappe fortsetzt, sollte anhand der aktuellen Bedingungen entschieden werden. Ein Zeitplan ist ein Arbeitsmittel und keine Verpflichtung. Wenn Wetter, Ausrüstung oder körperliche Verfassung nicht zum vorgesehenen Tagesabschnitt passen, sollte die Etappe angepasst werden.
Ausrüstung für arktisches und subarktisches Gelände
Die genaue Packliste richtet sich nach Dauer und Art der Tour. Bestimmte Funktionen müssen jedoch immer abgedeckt sein: trocken und warm bleiben, geschützt schlafen, Mahlzeiten zubereiten und zuverlässig navigieren. Rucksack und Schuhe müssen zudem zur jeweiligen Person passen.
Mit mehreren Kleidungsschichten lässt sich die Temperatur beim Gehen und während der Pausen regulieren. Eine wind- und wasserdichte Außenschicht ist auch dann sinnvoll, wenn die Vorhersage beim Start ruhige Bedingungen erwarten lässt. Mütze, Handschuhe und eine isolierende Schicht benötigen im Verhältnis zu ihrer Funktion wenig Platz, wenn die Temperatur sinkt oder der Wind zunimmt.
Unterkunft und Schlafausrüstung müssen für eine mehrtägige Tour im arktischen Klima geeignet sein. Wir empfehlen, Aufbau und Verpacken vor der Reise zu üben, damit beides unterwegs ohne unnötigen Zeitaufwand funktioniert. Alles, was trocken bleiben muss, sollte durch eine zusätzliche Barriere gegen Feuchtigkeit geschützt werden.
Navigationsmittel, Erste-Hilfe- und Reparaturausrüstung sollten schnell auffindbar sein. Das gilt ebenfalls für die Außenschicht und die Verpflegung für die jeweilige Tagesetappe. Ein übersichtlich gepackter Rucksack dient nicht nur dem Komfort. Er erleichtert es, bei einem Wetterwechsel zu reagieren, ohne lange anhalten und das gesamte Gepäck ausräumen zu müssen.
Körperliche Vorbereitung und Touren in der Gruppe
Für den Arctic Circle Trail muss man mehrere Tage hintereinander mit voller Ausrüstung gehen können. Allgemeine Ausdauer ist dabei nur ein Teil der Vorbereitung. Füße, Schultern und Beine müssen ebenfalls an das Rucksackgewicht und an wiederholte Wandertage auf unebenem Untergrund gewöhnt sein.
Wir empfehlen Trainingswanderungen mit der Ausrüstung, die später nach Grönland mitgenommen wird. Man kann mit kürzeren Strecken beginnen und Gewicht sowie Dauer schrittweise erhöhen. Mindestens eine Probetour mit Übernachtung zeigt, ob die Packliste als Ganzes funktioniert. Dabei fällt häufig auf, dass ein Gegenstand unnötig, schlecht erreichbar oder nicht mit der übrigen Ausrüstung vereinbar ist.
In einer Gruppe richtet sich das geplante Tempo nach der langsamsten Person. Erwartungen an Pausen, Tageslänge und Entscheidungen bei schlechtem Wetter sollten vor dem Start besprochen werden. Dadurch sinkt das Risiko, dass die Gruppe auseinandergezogen wird oder unterwegs unter Zeitdruck vorschnelle Entscheidungen trifft.
An- und Abreise über Nuuk
Air Greenland fliegt von Nuuk sowohl nach Kangerlussuaq als auch nach Sisimiut. Dadurch lassen sich Start und Ziel in eine längere Reise durch Grönland einbauen. Die konkreten Flugtage sollten bei der Buchung geprüft werden. Rund um die Wandertage empfehlen wir ausreichend zeitlichen Spielraum.
Wenn der Arctic Circle Trail Teil einer längeren Reise ist, sollte die Wanderung als eigener Abschnitt mit eigenen Reservetagen geplant werden. Das ist besonders wichtig, wenn anschließend eine Verbindung vorgesehen ist, die sich nicht ohne Weiteres verschieben lässt. Ebenso sollte man nicht damit rechnen, vergessene oder unzureichende Ausrüstung nach Beginn der Wanderung ersetzen zu können. Die vollständige Kontrolle des Gepäcks muss vor dem Aufbruch aus dem jeweiligen Ort abgeschlossen sein.
Für wen der Arctic Circle Trail geeignet ist
Der Arctic Circle Trail richtet sich an Wanderer, die bereits mit mehrtägigen Touren vertraut sind und Lager, Verpflegung und Navigation selbst organisieren können. Als erster Versuch mit voller Ausrüstung oder für Reisende, die unterwegs täglich mit Betreuung und Service rechnen, ist die Route weniger geeignet.
Weniger erfahrenen Wanderern empfehlen wir zunächst kürzere Touren. So lassen sich Erfahrungen mit grönländischem Gelände und wechselndem Wetter sammeln, bevor eine lange, selbstversorgte Route geplant wird.
Beim Wandern in Grönland geht es nicht darum, ein möglichst hohes Tempo einzuhalten. Entscheidend ist, dass Zeitplan, Ausrüstung und Erfahrung zusammenpassen. Sind diese drei Punkte aufeinander abgestimmt, lässt sich der Arctic Circle Trail als praktisch geplante Wanderung zwischen Kangerlussuaq und Sisimiut angehen, statt die Route allein nach einem festen Kalender zu bewältigen.